Ochaya
Man kennt ihn als Musikproduzent und DJ, Labelmacher Roey Marquis II., der auf über 2 Dekaden seines Schaffens zurückblicken kann. In seinem Buch “Lebenslinien” nimmt der Leser an seinem Werdegang teil. Seit 2002 als Taichi Chuan Lehrer mit eigener Schule tätig. ”Ochaya” heißt sein jüngstes Projekt. Wir fragen nach.
Hast du nun eine neue Leidenschaft entdeckt: Den Verkauf von Grüntee und Tee-Utenslilien?
Ganz so neu ist meine Begeisterung für Japantee nicht. Ich betreibe “Endo-Chaya”, einen Online-Shop, nun schon seit über einem Jahr, davor war es einige Jahre lang ein “Email-Shop”, ohne Namen.
Wie bist du zum Tee gekommen?
Mit dem Teetrinken habe ich vor ca. 13 Jahren in meiner ersten Taichi Schule angefangen. Dort gab es immer chinesischen Tee. Damals war das Jasmintee mit irgendeinem süsslich, fruchtigen Aroma. Daraufhin habe ich mir im Teeladen einfach mal einen Grüntee mit Ginseng, Grüntee mit Zitrone etc gekauft. Während meiner Zeit in New York war ich oft in Chinatown und hatte mir dort Gunpowder und andere nicht definierbare Sorten geholt. Die haben grauenhaft geschmeckt (lacht). So habe ich mich ein paar Jahre mit “Aroma-Tees” beschäftigt. 1999 habe ich mir dann zu Weihnachten eine dieser roten japanischen kleinen Teekannen mit Griff an der Seite und einem Edelstahlsieb vor der Tülle geleistet. Die hatte damals DM 110,. gekostet - dazu einen “richtigen”, vakuum verpackten Japantee aus Yame und eine Teeschale.
Curse ist ja auch ein Tee-Junkie.
Und was für einer. Berüchtigt allerdings war Germany. Er konnte Tee wegkippen wie nichts (lacht). Mit Curse haben wir dann damals den Song “Grüner Tee” für die Spiritual Warriors aufgenommen. Zu der Zeit sind wir gemeinsam, wenn er in Frankfurt war, in einen Laden für japanische Tisch- und Wohnkultur gegangen. Die hatten eine sehr gute Tee-Ecke mit Spezialitäten aus dem berühmten Anbaugebiet Uji, Japan.
Wann hast du dann beschlossen, selber Japantee zu verkaufen? Man bekommt die guten Sorten nicht einfach so bei einem Großhändler in Hamburg oder Bremen.
Wie so oft entsteht die Motivation aus dem Bedürfniss heraus, etwas, das nicht allgemein erhältlich ist, zugänglich zu machen. Also habe ich geschaut, woher man diese Tees beziehen kann, welche Anbaugebiete gibt es etc. Man muss wissen, daß die Japaner ihren eigenen Bedarf an Tee mit ihrem Ertrag kaum decken können. Daher ist es sehr schwierig, die wirklich guten Sorten zu bekommen. Es hat sehr lange gedauert und ich musste immer wieder dem Japaner gegenüber meine Wertschätzung für die “grüne Jade” zeigen.
Das fiel dir sicherlich nicht sonderlich schwer…
Nein. Und ich bin von Natur aus ein sehr geduldiger Mensch. Und die muss man, was Japantee angeht, in vielerlei Hinsicht haben.
Es gab einen kleinen Kreis von Tee-Liebhabern und gemeinsam haben wir dann jeweils eine Sammelbestellung aufgegeben. Mit der Zeit hat es sich herumgesprochen und mehr und mehr Leute dazugekommen. Irgendwann kam dann Curse von seiner Japanreise zurück und er gab mir einen Tee, der mich begeistert hatte. Er stammte von Tsuen, einer Familie, die ihren Teeladen an der legendären Uji-Brücke hat. Diese Familie hat eine lange Tradition: über 846 Jahre und 23 Generationen! Ich habe sie dann einfach per email kontaktet und es hat 6 Wochen und weitere emails gedauert, bis sie mir ein Packet mit verschiedenen Sorten zugeschickt haben. In Europa bin ich derzeit der einzige, den sie beliefern.
Auffälig in dem Ochaya-Shop ist das einzigartige Sortiment von Teekannen.
Das war der nächste logische Schritt. Was nutzt dir der beste Tee ohne eine passende Kanne und Tasse. Der Verlauf war ähnlich wie mit dem Erwerb der Teesorten. Spezialisiert habe ich mich auf Tokoname, der ältesten Töpferstadt in Japan. Mittlerweile bekomme ich Sonderanfertigungen von verschiedenen hochrangigen Meistern.
Ist denn eine Kanne so wichtig für die Teezubereitung? Gutes Wasser ist nachvollziehbar.
Wie bei dem Genuss von Wein auch, spielt das Gefäß, woraus man trinkt und bei Tee, auch in dem man ihn zubereitet, eine wichtige Rolle. Während man für einen Gyokuro eine kleine Teeschale mit kleinen Tassen verwendet, wird ein Houjicha in einer größeren Kanne zubereitet und aus dickwandigen Bechern genossen. “Groß” meint hier nicht die 1,5 Liter Porzelan Kanne aus Oma´s Kaffeeset, sondern zwischen 350ml und 700ml. Denn der Tee wird in der Regel immer frisch zubereitet und direkt in die Tassen/Becher gegossen. Wobei man sagen muss, daß diese Art der Zubereitung eher traditioneller ist. Es gibt natürlich auch gerade in Japan Teebeutel, Tee aus Dosen und aus Thermoskannen.
Die meisten Gußeisenkannen sind ja eher größer, ab 0,75 bis 1,8 Liter zu bekommen.
Der Eisenkessel, der gerne immer als „Japanische” Teekanne verkauft wird, ist eigentlich nur ein Wasserkessel, wie er früher im Teezimmer über dem offenen Feuer am Haken hing. Irgendwann wurde er dann für die Zubereitung für den Tee selber verwendet. Tokoname Teekannen werden aus Ton hergestellt, der reichhaltig an Eisenoxid ist. Er bindet einen Teil der Gerbsoffe im Grüntee. Dadurch wird der herbe Geschmack reduziert und gibt dem Tee einen weichen, lieblichen Charakter.
Apropos herb. Mit Grüntee assozieren die Leute immer “schmeckt bitter” und “den ersten Aufguss wegschütten”.
Bloß nicht den ersten Aufguss in den Ausguss kippen. Der ist bei Japantee immer der Beste und zeigt die Qualität des Tees in seiner vollen Bandbreite. ”Den ersten Aufguss wegschütten” stammt aus verschiedenen Regionen Chinas, wo man den Tee kurz mit heißem Wasser übergossen und dann den Inhalt ausgekippt hat, um die Blätter zu reinigen. Manche Teesorten werden erst mit dem 3. Aufguss genießbar. Das gilt aber nicht für Japantee. Je nach Sorte kann ein Tee alle 5 Geschmacksrichtungen zeigen, oder eine Geschmackrichtung tritt in den Vordergrund und andere zeigen sich im Abgang. Der Geschmack ist sehr vielseitig.
Vielen Dank für das Gespräch.
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- 18.06.09 / 23:57
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